Es gibt Entscheidungen im Leben, die trifft man ganz bewusst. Und dann gibt es Wege, die leise entstehen – und sich irgendwann einfach richtig anfühlen. Mein Weg zur Trauerrednerin gehört genau dazu.
Lange Zeit habe ich gedacht: Vor vielen Menschen sprechen – und dann auch noch über den Tod?
Das kann ich nicht. Doch heute weiß ich: Genau darum geht es nicht.
Seit einigen Jahren begleite ich in unserem Bestattungsunternehmen Angehörige von Verstorbenen in einer der schwersten Zeiten ihres Lebens. Ich führe Gespräche, höre zu, plane gemeinsam mit ihnen den Abschied eines geliebten Menschen. Und jedes dieser Gespräche berührt mich aufs Neue. Es schenkt mir die tiefe Motivation, für die Menschen da zu sein – sie zu tragen, zu stärken und ihnen den Raum zu geben, den sie brauchen.
Irgendwann kam die Frage ganz leise in mir auf: Warum begleite ich diese Menschen nur im Vorfeld – und nicht auch mit meinen Worten und meiner Stimme während des Abschieds selbst?
Diese Frage hat etwas in mir bewegt. Und so habe ich mich – aus dem Bauch heraus und mit dem Herzen voran – für die Ausbildung zur IHK-zertifizierten Trauerrednerin entschieden.
Die Zeit der Ausbildung, besonders die Tage in Essen, waren für mich zutiefst berührend, intensiv und prägend. Sie haben mir gezeigt, wie viel Kraft in achtsamen Worten liegt. Wie viel Trost echtes Zuhören schenken kann. Und wie wertvoll die stillen Momente des Innehaltens sind.
Für mich ist diese Tätigkeit weit mehr als eine Qualifikation. Sie ist zu einer echten Herzensaufgabe geworden.
Ich begegne Menschen, ich höre ihre Geschichten, ich sammle Erinnerungen – und forme daraus Worte. Worte, die das Leben eines geliebten Menschen noch einmal aufleuchten lassen. Worte, die Spuren sichtbar machen. Worte voller Liebe, Dankbarkeit und Achtung.


Und heute, nach den ersten sehr unterschiedlichen Zeremonien, die ich begleiten durfte, weiß ich mit tiefer Gewissheit: Es war genau die richtige Entscheidung.
Ich bin dankbar für das Vertrauen, das mir entgegengebracht wird. Denn es bedeutet, Einblicke in ganz persönliche Lebensgeschichten zu erhalten – in Erinnerungen, die kostbar sind.
Und es ist mir immer wieder aufs Neue eine Ehre, die Spuren und Erinnerungen an einen verstorbenen Menschen in eigene Worte zu fassen und ihnen mit meiner Stimme einen würdevollen Klang zu geben.


